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Zusätzliche Aufgaben des Rettungsdienstes

Neben den bekannten Aufgaben der Notfallrettung und des Krankentransportes sind im Kreis Nordfriesland geographisch bedingt zahlreiche besondere Herausforderungen vom Rettungsdienst zu bewältigen. folgend wird auf einige gesondert eingegangen.

Inselrettung

Die Geographie Nordfrieslands mit den Nordseeinseln Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm bedingt einige Besonderheiten innerhalb der Notfallrettung.

Der Regelrettungsdienst wird durch auf den Inseln stationierte Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge wahrgenommen.
Bei größeren Notfallereignissen sowie Massenanfällen von Verletzten (GröNo und ManV) gelangen die regelmäßig vorgehaltenen Kapazitäten schnell an ihre Grenzen. Die personelle und materielle Verstärkung seitens des Festlandes ist hierbei oft schwierig und zeitaufwendig.
Daher werden auf allen Inseln zusätzliche Schnelleinsatzgruppen (SEG) in enger Kooperation zwischen dem Rettungsdienst und den inselseitig beteiligten Organisationen vorgehalten.

Diese sind:

  • auf Sylt das Deutsches Rotes Kreuz - Ortsverein Westerland e.V. Link
  • auf Föhr die First Responder Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr Wyk / Föhr Link
  • auf Amrum die Schnelleinsatzgruppe (SEG) der Freiwilligen Feuerwehren Amrum Link
  • auf Pellworm das Deutsches Rotes Kreuz - Ortsverein Pellworm e.V. Link

Verstärkungskapazitäten des festländischen Rettungsdienstes werden in solchen Lagen zeitgleich aus der Luft durch die Bundeswehr (SAR), auf dem Seeweg (DGzRS und Fähren) sowie auf Sylt über den DB-Autozug zugeführt.
Daneben sind selbstverständlich die Rettungshubschrauber der Region mit ihrem Personal und Material mit eingebunden.

Halligrettung

Besonderheit der nordfriesischen Küstenlage sind die in der Nordsee gelegenen Halligen als einmaliger Lebensraum.
Halligen sind kleine Inseln innerhalb des Wattenmeeres, die bei Sturmfluten bis auf die auf ihnen gelegenen Warften, auf denen die Häuser der Bewohner stehen, überflutet werden.

Auch dies stellt den Rettungsdienst vor eine einmalige Herausforderung.

Hooge und Langeneß sind hierbei mit ca. 100 Bewohnern die größten Halligen. Auf Nordstrandischmoor leben ca. 20 Menschen und die Hallig Gröde zählt 13 Bewohner.

Auf keiner der Halligen besteht ärztliche oder rettungsdienstliche Versorgung.

Daher kommen bei Notfällen auf den Halligen die festländischen Rettungshubschrauber oder die Seenotrettungskreuzer zum Einsatz.

Da sich die Wartezeit auf die Rettungsmittel witterungs- oder tidebedingt verlängern kann, wurden in einem gemeinsamen Projekt zwischen den Halliggemeinden und dem Rettungsdienst des Kreises Nordfriesland Lösungen erarbeitet, die eine sinnvolle Überbrückung des therapiefreien Intervalls erreichen.

Auf allen Halligen wurden im Zuge des Projektes über 30 Personen zu "Halligrettern" durch die Ausbildungsabteilung des Rettungsdienstes ausgebildet. Die Ausbildungsinhalte wurden dabei an die Ausbildung zum Sanitätshelfer angelehnt und an die besonderen Bedürfnisse der Halligen angepasst.

Alle 12 bis 18 Monate finden durch die Ausbildungsabteilung des Rettungsdienstes durchgeführte Auffrischungskurse auf den Halligen statt. Hierbei wird auch das erweiterte medizinische Ausrüstungsmaterial, mit dem die Halligen zusätzlich ausgestattet wurden, kontrolliert und bei Bedarf ergänzt.

Zur erweiterten medizinischen Ausrüstung gehören unter anderem:

  • Notfallrucksäcke mit Sauerstoff
  • Notfallmedikamente (für die Gabe durch zufällig anwesendes medizinisches Fachpersonal)
  • Beatmungsbeutel
  • Infusionen
  • Schienungsmaterial und Vakuummatratzen
  • automatisierte Defibrillatoren
  • Schaufeltragen
  • ...

Das Engagement der Halligbewohner sowie der auf Langeneß und Hooge bestehenden Gemeindepflege sichert in  enger Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst auch in die Zukunft gerichtet den Bestand dieses erfolgreich umgesetzten Projekts.

Schnelleinsatzgruppen

Die Schnelleinsatzgruppen des Kreises Nordfriesland wurden im Jahr 2008 neu strukturiert. Ziel war es, bei größeren Schadenslagen mit angepassteren Komponenten reagieren zu können.

Diese Komponenten sind hierbei auch modular überörtlich einsetzbar und können somit die Nachbarkreise bei ähnlichen Schadenslagen bedarfsgerecht unterstützen. Im Gegenzug können auch die entsprechenden Module der Nachbarkreise zur Verstärkung in Nordfriesland angefordert werden.

SEG-B (Schnelleinsatzgruppe Betreuung)
Komponente zum Aufbau und Betrieb eines Behandlungsplatzes für 25 Patienten (BHP25) - bestehend aus Einheiten des DRK, der DLRG und des Rettungsdienstes. Bei Bedarf eines BHP-50 oder BHP-75 werden Komponenten der Nachbarkreise hinzu alarmiert.

SEG-T (Schnelleinsatzgruppe Transport)
Komponente zum Transport von mindestens 12 Patienten mit Krankentransportwagen der Hilfsorganisationen DRK und DLRG. Im Kreis Nordfriesland existieren hiervon zwei Einheiten: SEG-T Nord und SEG-T Süd.
Auch hierbei besteht die Option der kreisübergreifenden Verstärkung.

SEG-R (Schnelleinsatzgruppe Rettung)
Alarmierungsmöglichkeit des dienstfreien hauptamtlichen Rettungsdienstpersonals zur Besetzung freier Rettungsmittel. Zusätzliches Personal der SEG-R-Komponente wird hierbei wachenspezifisch inklusive Ausrüstungsmaterialien mit Mannschaftstransportwagen des DRK oder THW von den jeweiligen Wachen zur Einsatzstelle verbracht.

Teile der Schnelleinsatzgruppen (Hilfsorganisationen) kommen auch grundsätzlich bei niederschwelligen Einsatzlagen (z.B. Brandabsicherungen u.ä.) zum Einsatz.